Reflektor Sasha Waltz
»Ich denke an den Raum, noch bevor ich an Bewegung denke« – so erklärt die Choreographin das Fundament ihrer Kunst, mit der sie ein eigenes Kapitel moderner deutscher Tanzgeschichte geschrieben hat. Nichts ist für sie einfach nur Kulisse: Raum, Licht, Musik und Körper erzählen ihre eigene Geschichte, mal in hochenergetischer Bewegung und mal allein durch ihre bloße Präsenz. Mit der Elbphilharmonie verbindet sie ein ganz besonderer Moment: Noch vor der offiziellen Eröffnung am 11. Januar 2017 bespielte sie mit mehr als 80 Musiker:innen und Tänzer:innen mit dem Dialoge-Projekt »Figure Humaine« die Foyers und setzte die spektakuläre Architektur in Szene – ein »Feuerwerk aus Musik und Tanz« nannte sie es. Zum zehnjährigen Jubiläum des Konzerthauses kehrt Sasha Waltz nun mit ihrer Compagnie für ein langes, von ihr kuratiertes Wochenende zurück - und steht dabei zweimal sogar selbst auf der Bühne: in einer intimen Begegnung mit der Cellistin Anastasia Kobekina und Bachs Cello-Suiten und gemeinsam mit eine Gruppe Tänzer:innen in »for the time being«, einer radikalen Fokussierung auf den Augenblick zu den live generierten Klangwelten des experimentellen Komponisten Diego Noguera.
Gleich an zwei Abenden bringt sie die explosive Kraft von Beethovens Siebter Sinfonie auf die Bühne. Auch im Projekt »Fluence« tritt der Tanz in spontanen, teils improvisierten Dialog mit der Musik – dann aber mit Werken quer durch alle Epochen. Mit von der Partie ist beim »Reflektor« auch die Post-Industrial-Band The Young Gods, die gemeinsam mit Waltz’ Compagnie Terry Rileys »In C« wieder aufleben lässt, das 2024 im Großen Saal der Elbphilharmonie mit Standing Ovations gefeiert wurde und nun für einen fulminanten Festivalabschluss sorgt. Das Publikum erlebt all dies hautnah mit, mal mitten im Geschehen oder, wie bei Ayumi Paul, sogar als integraler Bestandteil der Performance.